10.03.2017

 

so, jetzt geht's gleich los. hier schon mal der erste eintrag, noch aus dem wohlig warmen büro in zürich. heute abend treffen wir uns in kloten zum vorabend-check-in. es werden sich vorfreude, gepäckhaufen und vorgezogene abschiedstränchen mischen. ist alles dabei? to-do-liste abgearbeitet? alle mails verschickt? pult aufgeräumt? mückenspray eingepackt? die 50$ fürs visum auch? jetzt bloss die ruhe bewahren; wie schon die alten helvetier sagten: "chunnt scho guet!"

11.03.2017

 

"jede reise beginnt mit dem ersten schritt". die literatur ist sich nicht so ganz einig, ob es konfuzius oder laotse war, der das von sich gegeben hat. jedenfalls ist uns der erste schritt geglückt: wir sind alle rechtzeitig am flughafen eingetroffen - was bei den zürcher verkehrsverhältnissen nicht ganz selbstverständlich ist -, haben den x-ray-check geschafft (jaja, schubi musste sein intubations-tool der beamtin demonstrieren) und heben ab gen süden. the sun is shining, the spirits are high, mal sehen was uns erwartet.

12.03.2017

 

jawoll, so muss ein richtiger tag aussehen: wecker um 4.30, zum flughafen, gepäck einchecken - d.h. 3x wiegen, 4x x-ray -, boarden zum inland-flug, happy landing, unfallfreies ausseigen, warmes welcome von der ganzen icc-crew, frühstück, material sortieren und weiter ins spital. ist patienten-lawine ein begriff? kaum war das ganze material (op-instrumente, medis, verbandsachen, monitore und weiss-der-kuckuck-was-sonst-noch-alles) verräumt, warten sie schon, die patienten: 16 an der zahl (letztes jahr warens grad mal 4!) mit diagnosen wie bei uns kaum vorstellbar. volleyball-grosse kröpfe, schief verheilte brüche, septische bäuche, rhythmus-störungen wie bei einer free-jazz-band, das werden 2 satte wochen. ops-plan für morgen ist geschrieben, und für die restlichen tage eigentlich auch schon. und auch schon der erste notfall: biceps-durchtrennung mit glasscherbe, lászlózeigt wie man muskel näht. der tägliche wolkenbruch (natürlich, die regenzeit) begleitet uns auf dem heimweg, dinner, die konversation bricht ein, ein wohliges gefühl von müdigkeit und spannung für die kommenden tage, und ab in die heia.

13.03.2017

 

heute wirds knapp. nicht etwa auf medizinischer ebene, sondern vielmehr elektronisch. die stromausfälle häufen sich und dabei stürzt auch jedesmal der router ab. also nix internet, also nix blog. also text vorschreiben und wenn die verbindung dann da ist, schnell copy-paste und hochladen. ihr wisst schon: auch das ist africa. also jetzt knapp: guter tag - 2 strumas ohne probleme - nochmal viele patienten gesehen - ops-plan quillt über - good nite!

14.03.2017

 

schon mal was von hercules gehört? das war der griechische dude, der 12 unlösbare aufgaben bewältigen sollte, um sich von einer untat reinzuwaschen. ein klassischer held also. held? wikipedia definiert held als jemanden, der einen menschenunmöglichen job gebacken kriegt. nachdem sich gestern abend vier gestandene schweizer akademiker erfolglos um eine infusion bei einer wahrhaft desolaten, jungen patienten bemühten, kommt einer der einheimischem anästhesie-boys (wasiri, s. bild) des wegs, wir klagen ihm unser leid, er lächelt und sagt: "I can do it". wir lächeln auch und denken: "ja, sicher...". heute morgen kommt die patienten zum op, mit infusion! also gut, jetzt sind wir dran: zvk-einlage (venflon!) mit ultraschall-location, noradrenalin-perfusor, grosse laparotomie (= bauchschnitt, sorry für fachausdrücke, muss halt manchmal sein), ein bauch, der übler nicht sein könnte: eiter, aszites, überall unklare tumore (thrombosierte gefässe, lymphbahnen, abdomineller typhus?), die lászló in minutiöser kleinarbeit rausschält, offene blase zunähen, stabilisieren und aufwachen lassen. jppie, sie hat den op überstanden! natürlich noch längst nicht über den berg, aber ohne op hätte sie keinesfalls überlebt. mittlerweile ists vier uhr nachmittags (6 stunden ops-zeit!), und es geht weiter: junger mann mit eiter-knie und einer alten oberschenkel-fraktur. lászló steigt ein und erlebt wieder mal eine überraschung: nix eiter-knie, sondern eine ausgewachsene osteomyelitits des oberschenkelknochens. also den alten bruch neu anfräsen, fixateur externe (das sind die gestelle, die an einen meccano-bausatz erinnern) anlegen und spülen, spülen, spülen. damit nicht genug, lászló hätte es einfach selbst machen können, aber nein, er hat dabei noch zwei einheimische ärzte geteacht (dr. martin und dr. moris). nach 12 stunden stehen war er dann doch dankbar über einen stuhl für die letzten nähte. dann die mittlerweile liebgewonnene abendroutine: zurück ins hotel, bier, dinner, ein cognac, - jaja, noch einer - blog schreiben und unter die decke!

15.03.2017

 

es gibt tage, da möchte man am liebsten nicht über das schreiben, was wirklich passiert ist. aber der sinn eines blogs ist das nicht. also here we go. um ein uhr morgens klopfts an der tür: "du musst sofort ins spital kommen, wir haben einen notfall!". los gehts, im landrover durch die nacht ins spital. das szenario, das wir antreffen, spottet jeder beschreibung: im wöchnerinnen-saal stehen zwanzig menschen um ein bett, auf dem eine frau liegt, die mit ihrer situation nicht mehr klar gekommen ist. sie ist auf die toilette gegangen und hat sich dort mit einem messer den hals aufgeschnitten. in den folgenden stunden kämpfen wir um ein menschenleben, das eigentlich nicht mehr leben wollte. mit allem, was dazu gehört: intubation durch die halswunde, umtubation, naht der durchschnittenen luftröhre, schwierige beatmung, kehlkopf-ödem, blutverlust, und und und. langsam wird es hell draussen und wir erfahren nach und nach ein bisschen mehr über die verzweifelte frau: sie ist hiv-positiv und hat gerade ein kind geboren, dem es nicht gut geht. und möglicherweise noch mehr, das wir nicht wissen. jetzt liegt sie da, die wunde ist versorgt, und sie will immer noch nicht atmen. wir probieren noch eine stunde und beschliessen dann, sie ins nächstgrössere spital zu verlegen, wo es eine intensivstation gibt. vielleicht kann sie da die kleine chance nutzen, die ihr bleibt. safari njema, wohin auch immer dich die reise führen mag!

16.03.2017

 

kaum die letzte nacht verdaut, kommt heute morgen schon der nächste hammer: die junge patientin mit dem merkwürdigen befund im bauch ist diese nacht unerwartet gestorben. klar, wir wissen nicht, wie ihre chancen auf längeres überleben gewesen wären, aber so mies sah's gestern abend nicht aus. nur kurze trauer, denn es geht schon weiter: im op ein 5-jähriger schnüggel, der noch ein bisschen warten muss und dabei das ganze op-team unterhält. seinen nabel-bruch wird er kurz danach auch noch los. der rest des spitaltags läuft unter "bigger is better". nein, das ist nicht das motto der american obese society, das war die monster-struma vom nachmittag. nicht so ganz ohne von wegen blutung und so, aber alles superglatt gegangen. "some live and some die", wie ein bostoner herzchirurg vielleicht ein wenig altklug und trotzdem passend sagte. so, und am abend dann noch das "traditional swiss dinner". alle sind eingeladen, wir kochen. jeweils ein typisches schweizer menu. dieses jahr ists saltimbocca mit risotto und ofengemüse. not swiss? dochdoch, nachzulesen unter www.mythen-und-legenden.com... caterina kommandiert das küchenteam, ihre followers schwingen die kochlöffel. ja, und dann das dinner. nicht so ganz einfach; erst kann niemand kommen, dann melden sich 40 an und schlussendlich sind's 30; die mischung von einheimischen und mzungus (das wären dann wir) glückt wie immer so halbpatzig; ein paar reden - bravo lászló - und nach dem dessert sind schon wieder alle weg. immerhin, der food fand anklang. "umekula visuri?" - ja danke, gut wars.

17.03.2017

 

als kurt tucholsky gefragt wurde, was denn satire darf, antwortete er: "alles!" wirklich alles? um mit radio eriwan zu sprechen: im prinzip ja, und es ist wohl auch ok wenn dabei jemand gegen den strich gekämmt wird, aber vielleicht gilt es doch, so etwas wie guten geschmack nicht allzusehr mit füssen zu treten. was aber ist guter geschmack? schwierig, schwierig, auf jeden fall was mega individuelles. es ist also unvermeidlich, dass unsere berichte - gelegentlich mit einem satirischen touch versehen - manchmal etwas schräg rüberkommen. damit genug der einleitung, aber für das was noch kommt mags nützlich sein. also, here comes. der morning goitre (=morgen-kropf) ging wie geplant, knapp drei stunden und aus dem afternoon abdomen wurde ein midnight belly. einmal mehr erlebt lászló sein blaues wunder: die junge frau hat einen künstlichen darmausgang, aufgrund einer komplikation bei einer gynäkologschen curettage. nun ist es weder für einen alten menschen, und schon gar nicht für einen jungen, sonderlich attraktiv mit so einem teil herum zu wandern, also sollte der normale darmverlauf wieder hergestellt werden. kaum ist der bauch offen, gehts auch schon los: wo ist der darmstumpf? wieso ist das das gewebe so geschwollen? warum sind die richtigen fäden ausgegangen? ist der sauger verstopft? der elektrokauter kaputt? jedenfalls wurden aus den geplanten zwei stunden sage und schreibe neun (!). man kann ja über chirurgen sagen was man will, aber so ein stehvermögen ist schon beeindruckend. und was macht der anästhesist währenddessen? narkose natürlich, würde der laie sagen. kaffee trinken, der chirurg. weit gefehlt, und dazu folgende story: im flugzeug über dem atlantik wird notfallmässig ein anästhesist gesucht. als sich endlich einer meldet, führt ihn der flight attendant in die erste klasse, wo ein chirurg mit einer zeitung sitzt, kurz aufblickt und sagt: "thank god you're here, could you adjust the light?"

18.03.2017

 

heute war tag der geteilten lager: die athletic fraction - caterina und stefan - hat die besteigung des mt. mbeya (2700 m) ins auge gefasst, bei den tgif-geschädigten (tja, was heisst "tgif"?) war ausschlafen und visite im spital  angesagt. der patientin von gestern abend geht's gut. naja, den umständen entsprechend. den rest des tages verbrachte die zweite fraktion mit warten - nein, nix beckett - auf die rückkehr der elektrizität und damit der internet-verbindung einerseits, auf die rückkehr der mountain goats andrerseits. wie dann die sicht auf den mbeya-berg von einer fetten regenfront verdunkelt wurde, war schon mal kurz ein augenblick der sorge spürbar. grosse erleichterung, als dann lydia's landrover um die ecke bog und die erfolgreichen besteiger ausspuckte; müde, stolz und verdammt fit für die 1200 höhenmeter in drei stunden. auch ein kleines erfolgserlebnis für die daheimgebliebenen: die patientin, die nicht mehr leben wollte, lebt noch. allerdings war der bericht aus der intensivstation des nachbarspitals nicht so ganz schlüssig; atmet sie schon selbst oder nicht, wie wach ist sie wirklich, was ist tatsächlich passiert? das mit der kommunikation ist ein dauerbrenner hier. grundsätzlich lässt die angst der afrikaner vor gesichtsverlust aussagen wie "we don't have" oder "I don't know" gar nicht zu. so passiert es halt immer wieder, dass wir mit einem eingriff nicht beginnen können, weil ein medikament ausgegangen ist, jemand loszog, um es zu holen und nicht zurückkommt, weil es gar nicht mehr vorrätig ist. damit müssen wir halt leben. und was soll's, vielleicht wird die schweizerische zuverlässigkeit auch einfach überbewertet, wie ein afrikanisches sprichwort so schön sagt... am abend eine einladung zu susann - finanz-tätschmeisterin der stiftung hier -, mit local dinner. bush meat ist die delikatesse des hauses, zurück ins hotel, internet geht wieder, also whatsapp-raid und das war der samstag hier im südlichen tanzania. lala visuli (= schlaf gut, wie die anästhesisten zu sagen pflegen)!

19.03.2017

 

das ist so ein bisschen eine zweischneidige sache mit den moskitonetzen überm bett. hallelujah, wenn alle moskitos draussen sind, weniger hallelujah, wenn ein paar drin sind. dann ist nämlich erstmal nix mit schlafen, dann ist massenmord angesagt. man kennt das spielchen: bsssst - klatsch - pause - bssssst - mist, daneben, nochmal. auch so kann man sich eine nacht um die ohren schlagen. heute also sonntag, defnitionsgemäss ruhetag. leider wissen das die patienten nicht. wir sind mit der visite fertig, da kommt oberschwester susi: "könnt ihr da noch einen patienten anschauen...". im allgemeinen verheisst das nichts gutes und so wurden wir auch heute nicht enttäuscht. junger mann, hiv-positiv, der vermeintlich nicht wasser lösen kann. es stellt sich dann ziemlich schnell heraus, dass das problem ein ganz anderes ist, nämlich irgendwo ein loch im gedärm mit luft im bauch. bei uns in der schweiz wäre eine noftallmässige computer-tomographie fällig. die gibts hier nicht, also bauchschnitt, auch notfallmässig. da wir aber beim letzten eingriff so ziemlich alles nahtmaterial aufgebraucht haben, bleibt nichts anderes übrig, als den mann ins nächste spital zu verlegen, ins mbeya zone hospital - genannt "ruffa", wie im jargon das referring hospital oder zentrumsspital heisst - wo's eben auch eine intensivstation gibt. lászló und schubi ergreifen die gelegenheit und fahren mit der ambulanz mit, um sich dort auch gleich noch nach der patientin mit dem halsschnitt zu erkundigen. die fahrt dorthin lässt sich wohl am ehesten mit dem wort höllenritt beschreiben: mit 80 über eine aufgerissene strasse, bergauf einen lastwagen überholen, ein bus kommt entgegen, velofahrer am strassenrand, von den fussgängerschwärmen ganz zu schweigen. irgendwie kommen wir an, der patient wird in empfang genommen und sein schicksal nimmt seinen lauf, auf den wir keinen einfluss mehr haben. weiter zur intensivstation, wo wir unsere patientin finden. das ist jetzt nicht ganz so, wie wir es uns erhofft haben: die frau ist weiterhin ohne bewusstsein, atmet nicht selbst und zeigt keinerlei regung. wahrscheinlich kommt sie ihrem ziel, vor dem wir sie bewahren wollten, langsam näher. wieder zurück, versuchen wir im ifisi community center (icc), wo wir untergebracht sind, ein bisschen lo bambele. unterm dach sitzen, lesen, schreiben, aufs internet warten, kaffetrinken, eine regenfront zieht vorbei, dann zirpen wieder die grillen, chillout-music aus dem lautsprecher, was bringt wohl die nächste woche?

20.03.2017

 

and now for something completely different: das herz. genau, das herz. in allen kulturen dieser welt spielt unsere pumpe eine zentrale rolle. für die alten ägypter war das herz das zentrale organ schlechthin, die azteken stellten eher grausige dinge damit an, in unserem hochmittelalter sangen die minnesänger ihre liebeslieder darum herum und heute toben sich die kardiologen damit aus. womit wir beim thema wären. wenn wir schon einen kardiologen mit dabei haben, soll auch seine arbeit hier zum zuge kommen. nicht, dass es über den ops heute nichts zu berichten gäbe, aber alles was wir heute gemacht haben, hätte genausogut in einem schweizer regionalspital stattfinden können: 1x goitre, 1x grosse narbenhernie (nicht motzen über das fachvokabular!) und 1x thorax-drainage bei eitriger tuberkulose. an dieser stelle wäre wohl sowas wie ein sarkastischer smiley angesagt... also jetzt, zurück zum herz. stefan hat letzte woche 50(!) herz-ultraschalle durchgeprügelt und dabei auch noch unsere langjährige englisch-zimbabwische kollegin rachel king geteacht. damit nicht genug - und das beschreibt er als seinen allergrössten erfolg -: der chefarzt des spitals, dr. martin, hat sich von stefan's begeisterung anstecken lassen und fängt auch an, ultraschall zu lernen! das ist ja das, was wir eigentlich immer wollten: teachen! nicht einfach des teufel's ohr selbst aboperieren und dann die fliege machen, sondern teachen, so dass etwas bleibt, wenn wir gehen. und dass der chef da selbst zum schüler wird, ist schon ein einigermassen fulminanter start!

und weil's so schön ist, bleiben wir noch bisschen beim herzen und führen ein novum ein: wir machen ein quiz. nicht etwa eins von diesen doofie-500-franken-rate-mal-was-du-da-hörst-spielchen, sondern ein simples, aber ernsthaftes quiz: was ist die richtige diagnose? ist im fall voll ok, das machen die im renommiertesten medizin-journals dieser welt (nejm, z.b.) auch. also, was ist die diagnose im untenstehenden bild? die erste richtige und die originellste diagnose bekommen nach unserer rückkehr ein surprize-gift aus dem local store hier. antworten bitte an die "kontakte" auf dieser webpage. nicht zögern, traut euch, just do it!

21.03.2017

 

na, das lässt ein bisschen zu wünschen übrig mit den antworten auf das quiz. los leute, traut euch! so viel sei schon mal verraten: es ist keine vierlings-schwangerschaft, keine luftballons im schneegestöber, kein bezoar (na los:wikipedia go!) und nein, auch kein selfie. apropos schwangerschaft, da wären wir beim heutigen thema angelangt: wir haben schliesslich auch eine gynäkologin dabei. caterina macht nicht nur 20 schwangerschafts-ultraschalls jeden tag, sie teacht die youngsters hier, kümmert sich um die wöchnerinnen und versucht verzweifelt, die neugeborenen-station auf vordermann zu bringen. verzweifelt, weil da ein monströser nachholbedarf besteht. es fehlt an allem: antibiotika, monitore, vernünftige sauerstoff-versorgung, die waagen stimmen nicht, von brutkästen ganz zu schweigen. im grunde läufts aufs banalste raus: die starken säuglinge schaffens, die andern nicht. darwin lässt grüssen, aber dabei nur zuzuschauen ist schon verdammt hart! kleine anektote aus dem ultraschall-teaching: immer die gleiche frage beim baby im bauch: "what's its sex?". die youngsters staunen, warum cati das geschlecht der babies im bauch immer rauskriegt. kunststück, wenn man den schallkopf auf den schädel des kindes hält, wirds halt schon schwierig - auch wenn sex angeblich vornehmlich im kopf stattfindet...

noch ein kleiner rekord aus dem departement chirurgie: die heute struma wog 880 gramm!

22.03.2017

 

"panem et circenses" - brot und spiele, wie der römische dichter juvenal (ein satiriker!) sagte. er meinte, dass damit das volk am einfachsten ruhig zu halten wäre - gewisse parallelen zu unserer heutigen wohlstandsgesellschaft sind unverkennbar. marx bevorzugte da mit seinem oft missverstandenen religionsvergleich andere substanzen und schlug sich damit klar auf die seite der anästhesisten. bei uns hier ist das mit dem brot und dem zirkus etwas anders gemeint. wir werden ziemlich luxuriös durchgefüttert hier und das ist absolut match-entscheidend. nach diesen langen arbeitstagen ist gutes essen nicht nur notwendige kalorienzufuhr, sondern auch balsam für die seele. lydia und ihr icc-team verwöhnen uns nach strich und faden: jeden morgen gibts eier nach wunsch, dinner nach wunsch, südafrikanischen wein, die wäsche wird uns gewaschen, nur mit den duschen hapert's manchmal ein bisschen. es gibt hier keine boiler, das wasser wird direkt am duschkopf mit einem kleinen durchlauferhitzer erwärmt. eine methode, die schon ein bisschen an einen elektrischen stuhl erinnert. so wird der duschkopf sinnigerweise auch "widow maker" genannt (duschen hier nur die männer?). anyway, wir leben noch, duschen aber meist kalt, da die dinger offenbar ziemlich launisch sind; aber schon ok, warmduschen wird eh übeschätzt... genug vom brot, weiter zum zirkus: lászló und eliane operieren wie in einem amphitheater, die zuschauer drängen sich um die besten plätze. ganz im gegensatz zum letzten jahr, wo wir frustriert nach "teachables" ausschau hielten und keine fanden, ist das spital dieses jahr mit jungärzten richtig gut bestückt. und zwar nicht nur "clinical officers", die eine art dreijährige lehre absolvieren, es gibt auch einige junge "medical doctors", frisch ab der uni in dar-es-salaam. jung, dynamisch, lernbegierig, trotzdem etwas überheblich und nicht immer von arbeitswut geplagt. so wie unsere schweizer spital-assistenten halt auch.

23.03.2017

 

kennt jemand "lord of the flies"? das ist das grässliche buch, mit dem schülern in aller welt die freude an englischer literatur ein für alle mal vergällt wird. die story: eine gruppe jugendlicher strandet auf einer einsamen insel und muss als schicksalsgemeinschaft überlebensstrategien entwickeln. geht uns hier schon auch so. wenn man zwei wochen lang jeden tag praktisch ununterbrochen aufeinanderhockt, hin und wieder grenzerfahrungen macht, unter müdigkeit, durchfall und anopheles-mücken leidet, das heimische bett und ja, auch die fette, warme dusche vermisst, könnte das die soziale situation schon mal belasten. ok, die jungs bei william golding hatten's etwas herber, aber wir sind schliesslich auch ein wenig älter und weniger flexibel. also, jetzt wird ein bisschen aus der mottenkiste geplaudert, eine prise klatsch und tratsch gehört doch auch zu einem blog: head of the mission ist lászló und das ist gut so. surgeon-in-chief, ziemlich unerschütterlich ("so lange der anästhesist nicht nervös ist, bin ich's auch nicht"), pragmatisch und eigentlich nur gestresst, wenn die fcb-resultate nicht durchkommen. dazu passend caterina, die nicht nur die fcb-resultate nicht aus der ruhe bringen, auch lászló nicht, die kalte dusche nicht und die besteigung des mt. mbeya schon gar nicht. nur mit der säuglings-sterblichkeit hier kommt sie nicht klar. eliane hat nicht nur ihre ops-leute im griff - sie ist lászló's extended memory, seine rechte hand, die linke manchmal auch -, sie ist das kritische über-ich des teams ("lászló, was machst du da?") und duscht grundsätzlich kalt. stefan kiffelt nicht, hast meist gute Laune, dezidierte ansichten und weiss alles, internist halt. schubi kiffelt auch nicht, weiss alles besser, anästhesist halt, und hofnarr und chronist. noch einer zur illustration: anästhesist: "die patientin isst ja, hat sie denn schon darmgeräusche?" - chirurg: "ja!" - anästhesist: "wieso weisst du das?" - chirurg: "sie isst ja..." also, ihr seht, wir sind ein herz und eine seele hier, die gestrandeten knaben von der insel könnten sich ein stück abschneiden. zur statistik heute. cati: 20 schwangere, drei kaiserschnitte, ein totes neugeborenes; stefan: die üblichen 10 teaching-echos; chirurgie: 2 kröpfe und eine thorax-drainage in narkose bei eitriger tuberkulose. das ende unserers einsatzes naht: heute abend schon die traditionelle african night. auch das ist africa: man kommt eine stunde später als abgemacht, viele reden, lange reden, aber auch viel dankbarkeit, viel respekt und viel aufgebretzelt.

24.03.2017

 

heute gibt's gemischtwaren-laden: ein bisschen was von allem. zuerst mal eine kleine vorbilanz (der fette schlussstrich kommt dann morgen): zwei patientinnen haben wir verloren: die junge frau mit dem schrecklichen bauch hats nicht geschafft und die mutter, die nicht mehr leben wollte, lebt auch nicht mehr. der bescheid aus dem "ruffà" kam gestern. allen anderen aber, mit denen wir im operationssaal zu tun hatten, geht's gut. insbesondere der jungen frau, die neun stunden auf dem tisch war und statt ihrem alten, künstlichen darmausgang nun einen neuen hat (dazu muss man wissen, dass der neue auch nur ein provisorischer ist, den man aber nach ein paar wochen mit einer mini-op wieder endgültig zurückverlegen kann). jedenfalls treffen wir die patientin an der täglichen visite strahlend im bett oder beim essen - na klar, auch ohne darmgeräusche! - und sie wird morgen nach hause dürfen. dann ein kleines perioperatives geschichtchen: der kleine junge, der heute morgen seinen leistenbruch operiert kriegen sollte, entpuppte sich als no-show. vermutlich hat sein vater die sache abgeblasen, nachdem lászló im vorgespräch gestern auf die frage, ob denn nach der op "noch alles funktioniert" einen sekundenbruchteil zu lange gezögert hatte... dafür kam dann der "goliath von ifisi" auf den op-tisch. geschätzte 130 kg, gut 2 meter, unterschenkel-trümmerbruch, op-zeit 3 stunden, schweissverlust des teams ebensoviel in litern. die letzten news vom tag in zehn sekunden: nochmal leistenbruch, nochmal knöchel-bruch (o-ton petra: "da liegt noch ein patient auf der station, der hat was am fuss..."); stefan verlässt uns schon heute, hat zuhause einen krimi-termin (schon ok, keine details!); eliane und schubi räumen und misten (not what you think!), jetzt ist alles material, das seit jahren rumliegt im schrank oder im müll; letzter abend im icc, letztes dinner, letzter tropfen cognac aus der flasche gepresst, letztes mal unters mosquito-netz gekrochen. und, ach ja: die quiz-auflösung kommt auch morgen. also letzte chance am wickel packen!

25.03.2017

 

als uderzo und goscinny noch vom pioniergeist beseelt waren und die asterix-bände vor originalität strotzten, war im band 2 auf der titelseite eine auflistung der verwendeten materialien - pinsel, tusche, entwurfblöcke, selbst die biermenge war dabei - zu finden. so eine art nüchterne - naja, mehr oder weniger - bilanz, die wir hier jetzt auch aufstellen möchten:

  • 11 kropf-entfernungen
  • 5 bruch-op's (leistenbrüche, nabelbruch, narbenbruch)
  • 2 thorax-drainagen (jaja, weiss schon...)
  • 2 grosse bauch-op's
  • 1 zysten-entfernung am hals
  • 3 knochenbrüche (oberschenkel, unterschenkel, knöchel)
  • 1 luftröhren-rekonstruktion
  • 95 herz-ultraschall-untersuchungen, ausnahmslos als teaching-exams
  • 120 schwangerschafts-untersuchungen mit ultraschall
  • drei dutzend oder so kaiserschnitte

jetzt auch noch endlich zur langerwarteten auflösung des quiz. auf die kardiologisch korrekte diagnose - ventrikelseptum-defekt (=loch zwischen den herzkammern) - ist erwartungsgemäss niemand gekommen, also hat die jury (vorsitz: stefan) aus den knapp hundert (haha) eingegangenen antworten die originellste ausgewählt. schubi musste aufgrund von befangenheit in ausstand treten: "siamesische zwillinge" von morton schubert (genau: sohn) wurde gekürt. der glückliche gewinner bekommt mindestens einen batik-topflappen mit integrierter iphonehülle. genug geblödelt jetzt. wir sitzen am airport in dar-es-salaam und warten auf den abflug. local time: kurz vor neun abends. hinter uns liegen zwei dichte wochen, die ihr ja so ziemlich live mitgekriegt habt. auch hinter uns liegen abschiedsszenen - irgendwas zwischen emotional und doch etwas steiflich - am flughafen in songwe, eine sintflut, die bis in die eingangshalle kam (genau: sogar die engel weinen, wenn wir gehen), ein inlandflug mit kotzenden kindern und fünf stunden stopover in dar. boarding in 30 minuten. keine schwülstigen schlussworte jetzt, sondern ein zitat vom californischen ex-gouverneur: "we'll be back!"

 

 

                          project proudly

                          supported by

                          stadtspital waid

                          zurich

                          www.waidspital.ch

30.05.2018 endlich haben wir das promo video von michael auf unserer webseite veröffentlichen können. es gibt in 02:56 minuten einen kurzen einblick in unsere aktivitäten. schau rein ...

24.03.2018 am samstag, den 07.04.2018 findet die gv und unser jahrestreffen statt. zur planung ist eine anmeldung erforderlich. weitere details findet ihr hier...

23.03.2018 unser anästhesist christoph schubert ist auch buchautor.  wer gerne brass musik hört und bei witzigen schwarz humorigen geschichten schmunzeln will, der soll sich den  25.03. 2018 dick in die agenda eintragen! hier mehr...

06.03.2018 direkt zum tagebuch märz 2018...lesen sie, wie sich das team auf den einsatz vorbereitet und begleiten sie uns virtuell mit nach afrika...zum blog

01.03.2018 im frutigländer wurde ein artikel über den einsatz von marika schmidt im speziellen und unser projekt im allgemeinen publiziert. hier gehts zum zeitungsartikel...

17.02.2018 das team für den spring einsatz 2018 hat sich formiert und macht sich bereit. mehr hier...

03.12.2017 gestern fand der traditionelle weihnachtsmarkt statt. auch wir waren dabei ...

28.10.2017 nun ist es soweit: das herbstteam 2017 setzt sich in marsch. alles weitere im aktuellen blog hier...

10.10.2017 bald ist das fellowship für die zwei gäste aus tanzania vorbei. hier geht es zu ihrem "abschiedsbrief":

03.09.2017 nun sind sie da! heute morgen früh sind dr martin mbwile und sein kollege dr. jacob mbembela in zürich kloten gelandet für ihr mehrwöchiges fellowship im waidspital. hier geht's direkt weiter zum blog...

25.08.2017 auch dieses jahr möchten wir unseren gästen aus tanzania einiges über uns und unser land zeigen. wer sich weiter darüber informieren und mitmachen will, klickt hier und ab geht's zum doodle...

24.08.2017 im der aktuellen ausgabe vom virus, der personalzeitung des des spitals bülach ist ein interessanter artikel über die erfahrungen von caterina bezüglich der geburtshilfe in ifisi erschienen. hier geht's direkt zum artikel...

25.08.2017 am 03. september ist es soweit, dr. martin mbwile und dr. jacob mbembela werden in kloten landen um sich im rahmen eines fellowships unseres projektes einige wochen in schweizer spitälern gezielt weiterzubilden. mehr dazu findest du hier...

15.06.2017 am 5. juli werden lászló veréb und stefan christen einen fotovortrag im waidspital halten. so sieht's aus...

26.04.2017  der verein ist online! anmeldungen für mitglied- und gönnerschaften werden ab sofort entgegengenommen. da geht's lang...

23.04.2017  jetzt ist's offiziell: seit heute ist "zurich-meets-tanzania" ein verein...mehr

25.03.2017 happy landing! spring team ist wieder da. alles ok! hier sind die bilder...

05.02.2017  das spring team hat sich formiert und rollt richtung startlöcher...mehr

27.11.2016 unsere zwei neuen spendenprojekte sind online! vielen dank für eure hilfe...mehr